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Nährwertberechnung

 „Katha, nutzt du eigentlich ein Programm zur Nährwertberechnung?“ Das werde ich immer wieder von KollegInnen gefragt. Als ich mich selbstständig gemacht habe, war für mich auch total klar, dass ich ein Nährwertberechnungsprogramm brauchen würde. Weil man das halt so hat. In der Eile, in der ich gezwungen war meine Selbstständigkeit auf die Beine zu stellen, habe ich das auch garnicht so richtig hinterfragt. 

Glücklicher Weise hatte ich das Thema bei einer Kollegin angesprochen, die schon seit einigen Jahren selbstständig ist. Auf meine Frage, welches Programm sie denn nutzt hat sie nur gelacht und gesagt „Keines! Wozu brauchst du eines?“. Das war einer meiner vielen „ach krass!“-Momente auf dem Weg in die Selbstständigkeit 😅

Ich dachte, ich bräuchte ein Programm zur Nährwertberechnung. Weil man das halt so hat.

Dabei lag es ja förmlich auf der Hand. Während meiner gesamten Ausbildung war „Rechnen“ der Aufreger Nummer eins. Schon in der Ausbildung habe ich nicht verstanden, wieso wir so viel Zeit mit etwas so sinnlosem verbringen. 

An der Stelle möchte ich kurz einwerfen, dass es hier um meine persönliche Meinung und meine persönlichen Erfahrungen geht. Das heißt nicht, dass das immer oder überhaupt richtig ist. Primär versuche ich hier meinen Weg, meinen Alltag, meine Meinung und meine Einstellung in Worte zu fassen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. 

Ich fand das Rechnen einfach so schlimm. Das Hauptargument dafür war ja immer, dass man ein Gespür für die Lebensmittel bekommen sollte. Das hatte jeder nach spätestens einem halben Jahr.  Dennoch mussten wir wie wild Zahlen hin und her schieben und bevor der Patient zu wenig Kohlenhydrate abbekam, kam eben noch ein Teelöffel Zucker in den Tee am Abend. Das war dann besser, als einfach mal 5% Kohlenhydrate weniger am Tag zu haben …  

Lassen wir das lieber, sonst artet das hier nur aus. Zurück zum Thema. Ich hatte also mit einem Nährwertprogramm geliebäugelt, obwohl ich es drei Jahre lang unnötig fand. Das hätte mir früher auffallen müssen, aber manchmal braucht es einfach den Blick von außen. Mittlerweile habe ich sogar drei gute Gründe dafür, wieso ich kein Nährwertberechnungsprogramm habe und die möchte ich gerne teilen. 

Mittlerweile habe ich sogar drei gute Gründe dafür, wieso ich kein Nährwertberechnungsprogramm habe.

1) Weil es kein Programm für uns Ernährungsfachkräfte gibt, das ich gut genug finde.

Wir haben bereits in der Ausbildung mit einem der gängigen Programme gearbeitet und auch in zwei weitere hatte ich mich schon einmal eingearbeitet. Aber meiner Meinung nach ist keines der Programme richtig gut. Auch das hat wieder verschiedene Gründe. 

Wie ich es mir überhaupt erlauben kann, sowas zu behaupten? Wie ihr wisst bin ich gelernte Kauffrau und habe schon in 3 Unternehmen gearbeitet. In der Industrie und vor allem in der Logistik ist es ganz normal mit so genannten ERP (Enterprise Resource Planning) Systemen zu arbeiten. Das sind System mit denen alle möglichen Geschäftsprozesse, sei es Personal, Waren, Buchhaltung, geplant, gesteuert und verwaltet werden können. Ich habe bereits mit den gängigsten wie SAP und JDE, aber auch kleineren wie Büroware und sogar Access-Datenbanken gearbeitet.

Ihr fragt euch bestimmt, was das mit Nährwertberechnung zu tun hat? Jede Menge! Denn einem Programm ist es vollkommen egal ob es Waschmaschinen, Personal, Geld oder Nährwerte hin und her schiebt und entsprechende Ergebnisse ausspuckt. Für PCs sind Zahlen einfach nur Zahlen. 

Einem Programm ist es vollkommen egal, ob es Waschmaschinen, Personal, Geld oder Nährwerte hin und her schiebt.

Heißt, ich weiß was eine gute Software kann, wie intuitiv bedienbar, schnell, logisch aufgebaut, ansprechend designed, übersichtlich und effektiv sie sein kann. Und eins kann ich deshalb sagen: die Nährwertberechnungsprogramme, die ich mir bisher zu Gemüte geführt habe, können höchstens mit einer halbherzig zusammen geschusterten Access-Datenbank mithalten. 

Auch finde ich es ziemlich 1900, dass man die Software noch auf seinem Rechner installieren muss. Manche Anwendungen kommen sogar mit einer CD für die Installation daher. Wenn ich nachfragen würde, gäbe es das ganze wahrscheinlich auch noch auf Diskette. Ich jedenfalls besitze seit 2015 schon kein CD-Laufwerk mehr. 

Wenn Software, dann soll die bitte Web basiert und vor allem auch Mac-tauglich sein. #MacHatersGonnaHate

2) Mir ist es das Geld nicht wert.

Kurzer und knackiger Punkt! Ihr wisst, ich spare nicht an Qualität. Und ich bin ein großer Freund davon, sinnvoll in sich und seine Arbeit zu investieren. Aber unter den unter 1) genannten Kritikpunkten bin ich echt nicht gewillt, solche Preise zu bezahlen. 

Sorry, nicht mit mir. Da greife ich lieber auf kostenlose Lösungen wie Excel, Numbers, Access oder MyFitnesspal.de zurück. „Ja aber das ist ja dann auch voll umständlich und zeitaufwendig“ – jaein. Immerhin ein guter Einwand um zum dritten Punkt über zu leiten:

3) Wofür überhaupt?

Mal im Ernst, wozu das Ganze denn? Gut, Ausnahmen bestätigen die Regeln, deswegen lassen wir so Diagnosen wie beispielsweise PKU und Bodybuilder vor ihrem Wettkampf mal außen vor. Reden wir mal über die gängigen Patienten, die man so hat bzw. die zumindest ich so habe. Da haben wir Diagnosen wie Adipositas, Hypertonie, Fructosemalabsorption, Zöliakie, Reizdarm, Lactoseintoleranz, Hypercholesterinämie und Diabetes. 

So. Wer braucht da jetzt einen Tages- oder gar Wochenplan? Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass man als gute DA auch ohne Nährwertberechnungsprogramm aus den Ernährungstagebüchern sehen sollte, wo es hapert. Und meist gibt es so viele Dinge, die es zu optimieren gilt, bevor es notwendig wird, sein Essen grammgenau abzuwiegen. 

Meist gibt es so viele Dinge, die es zu optimieren gilt, bevor es notwendig wird sein Essen grammgenau abzuwiegen. Und dann kommt da noch die Alltagstauglichkeit ins Spiel.

Und dann kommt da noch die Alltagstauglichkeit ins Spiel. Angenommen man macht sich die Mühe und schreibt einen Wochenplan. Wer hält sich denn bitte an einen gesamten Wochenplan? Und was passiert nach der Woche? Ich schaffe es ja meistens nicht einmal das zu essen, was ich mir für den nächsten Tag vorgenommen habe. Da kommt dann die Arbeit dazwischen, eine Einladung zum Essen, die Zucchini schimmelt oder es gibt 30% bei Lieferando. Ich kann doch nicht von einem Patienten erwarten, dass der von heute auf morgen alles auf „perfekt“ umstellt und das den Rest seines Lebens so beibehält. 

Anderes Thema, und da kommen die kostenlosen Lösungen wieder ins Spiel, sind Nährwertangaben zu Rezepten oder wenn man mal einen perfekten Tag als Beispiel vorlegen möchte. Das mache ich auch hin und wieder. Vor allem Männer stehen auf Zahlen, weswegen ich da auch gerne mal zur Nährwertberechnung greife. 

Viel Text für ein einfaches „nein“. Aber so konnte ich mein „nein“ auch einmal ausführlich erklären. Wie schon erwähnt ist das nur meine Sicht der Dinge, passend zu meinen bisherigen Erfahrungen. Zu diesem Thema gibt es sicherlich auch kein richtig oder falsch. Jeder muss seinen Weg finden und vor allem seine Beratungen, seine Selbstständigkeit und seinen Alltag so gestalten, dass er sich damit wohl fühlt. Und ich fühle mich im Moment wohl so wie es ist. 

Diskutiere gerne in meiner Facebook-Gruppe mit

Abschließend noch der Hinweis, dass ich dieses Thema in einem Post in meiner Facebook-Gruppe eröffnet habe. Wenn du jetzt also das Gefühl hast zu diesem Blogpost etwas los zu werden oder einen der Punkte diskutieren möchtest, lade ich dich herzlich ein der Gruppe beizutreten und mit zu diskutieren! Zur Gruppe kommst du über folgenden Link: Facebook-Gruppe „Ernährungsfachkräfte auf Erfolgskurs“

Alles liebe, 

Katha